Persönliches
Biografie
Jean Pütz wurde am 21. September 1936 in Köln als erstes von drei Kindern geboren, Vater Deutscher, Mutter Luxemburgerin. Er wuchs wegen des Nazi-Regimes im Moselstädtchen Remich
bei der Mutter Elli auf. Die Eltern nahmen Ihren kath. Glauben sehr
ernst. Trotzdem lebten sie anfangs getrennt, denn der Vater betrieb bis
in den 2. Weltkrieg hinein eine Braugaststätte in Köln ("Em rude
Bräues"). Pütz wurde ganz besonders durch ein Erlebnis im zweiten
Weltkrieg geprägt.
Weil die Familie im Juli 1943 – zu "Peter und Paul" - gemeinsam von Köln aus in die Sommerferien reisen wollte, geriet er durch Zufall mit seinen Eltern in einen der schlimmsten Bombenangriffe, die auf Deutschland geführt wurden. Von 60 Menschen im Kellersystem der Bauerei überlebten nur 5 darunter die 3 köpfige Familie, und zwar, weil sie sich zu zwei, von den Nazis verfolgten Personen, begaben, die der Vater in einem hermetisch abgeschlossenen Kellerverlies versteckt hatte. Dorthinein konnten sich die durch Brandbomben freigesetzten Phosphordämpfe nicht ausbreiten, während die Lungen der anderen Menschen elend zerfressen wurden.
Das Kriegsende erlebte Pütz in Luxemburg. Dort besuchte er auch im Moselstädtchen Remich die Primair und Oberprimairschule (Grund und Hauptschule). Danach machte er von 1952-1955 eine dreijährige Lehre an der "Ecole des arts et métiers" du Luxembourg mit dem Abschluss Elektromechaniker. Es folgte eine einjährige Tätigkeit als Betriebselektriker im Luxemburger Eisenhüttenwerk (Arbed-Belval, Esch sur Alzette). Ende 1955 absolvierte er mit Erfolg eine Aufnahmeprüfung für Sonderbegabte an der Staatlichen Nikolaus Otto Ingenieurschule in Köln und bekam somit die Chance dort von 1956-1959 das Ingenieur Studium mit Abschluss "Diplomingenieur der Nachrichtentechnik" zu vollenden. Von 1959-1960 folgte eine einjährige Ausübung des Ingenieurberufs im Entwicklungslabor für elektronische Schaltgeräte in Bonn (Kloeckner-Moeller - heute Moeller).
Die Durchlässigkeit der Schulsysteme war damals sehr gering, und so musste er um seinem Wunsch eines Universitätsstudium nachzukommen, eine Abiturprüfung für Externe zum Weiterstudium an Universitäten absolvieren. Sein Studium finanzierte er einerseits mit dem staatlichen Förderprogramm "Honnefer Modell" und andererseits mit Nebentätigkeiten, die an seine vorausgegangen Qualifikationen anknüpften. Von 1960-1964 studierte er Physik- und Mathematik für das Lehramt der Sekundarstufe II an der Universität Köln - Nebenfach Chemie.
Während seiner Studentenzeit war Pütz Vorsitzender des ISSF - dem Internationalen Studentenbund für übernationale Förderation. In dieser Eigenschaft wurde er auch Vorsitzender des Ringes der Politischen Hochschulgruppen (Dachorganisation). Er galt als Aufklärer und Rebell, u.a. als Mitbegründer des damaligen "Republikanischen Clubs", der vehement in den 60 er Jahren gegen die ersten Notstandsgesetzentwürfe antrat. Später, als weltfremde linke Ideologien das Handeln des Klubs bestimmten, trat er unter Protest aus.
1964 bestand er das 1. Staatsexamen. Es folgte von 1964-1966 eine zweijährige Referendarzeit.
Sein eigentlicher Berufswunsch war aber immer schon Journalist zu werden. Deshalb studierte er nicht nur im anfänglichen "Studium Generale" sondern auch später parallel zu seiner Referendarzeit Soziologie- und Volkswirtschaft mit Schwerpunkt empirische Mediensoziologie bei Prof. René König, Prof. Alphons Silbermann und Prof. Erwin Scheuch. Während dieser Zeit war er schon häufig als freier Journalist tätig. Ab 1970 fand er eine feste Anstellung beim Westdeutschen Rundfunk (WDR). Der damalige Intendant war: Klaus von Bismark, der Direktor: Werner Höfer und der Hauptabteilungsleiter Kultur: Friedrich Wilhelm Reuker. Dort bekam er die Chance die Redaktion Naturwissenschaft und Technik im kurz vorher gegründeten 3. Programm aufzubauen. Er war Redakteur, Autor, Moderator und schließlich auch Produzent. Gleich seine erste Serie bestehend aus 13 Folgen mit dem Titel "Energie, die treibende Kraft" (in der er komplizierte Physik anschaulich machte und vieles von dem vorweg nahm, was später in den Energiekrisen offenbar wurde, - bis hin zur Problematik der Kernenergie), dokumentierte anschaulich seine Intentionen, nicht nur Wissenschaft und Technik zu vermitteln, sondern auch ihre Nebenwirkungen und Risiken. Allerdings ohne sie zu verteufeln, im Gegenteil, "nur mit ihren Mittel könnten die katastrophalen Folgen für Umwelt und Natur abgemildert werden".
Es folgten Sendereihen wie:
Aus seiner Idee für eine Elektronik-Bastelsendung entwickelte er schließlich die WDR-Sendeform "Hobbythek", die 1974 erstmals ausgestrahlt wurde. Die von Pütz konzipierte und moderierte Sendung für Hobbyfreunde, Tüftler und Wissbegierige, präsentierte sich mit einem neuen Ansatz telegener Wissensvermittlung, und zwar über Jahrzehnte hinweg. Sie blieb ein Publikumshit mit Einschaltquoten bis zu 15 Prozent. Von Kollegen bisweilen belächelt, demonstrierte Pütz, der sich selbst als rheinische Frohnatur und notorischen Optimisten charakterisiert, u. a. wie man Käse macht, Bier braut oder Kosmetik, Wasch- und Reinigungsmittel usw. selber herstellt. Dabei gelang ihm der Spagat zwischen seriöser Information und lockerer Präsentation. Pro Sendung forderten bis zu 150.000 interessierte Zuschauer die kostenlosen Hobbytips (schriftliche Rezepte zum Nachmachen) an. Dazu entstanden in Deutschland fast 300 bis 400 Geschäfte, die bereit waren, die Zutaten für die Rezepte anzubieten. Dabei galt als Ehrenkodex, dass weder Pütz noch seine Autoren und ebenso wie der WDR niemals am Verkaufserlös beteiligt waren. Die Sendereihe wurde im WDR in der Erstfassung stets zur Primetime ausgestrahlt und dauerte jeweils 45 Minuten mit Ausnahme von zwei Jahren, in denen sie auf 30 Minuten, Sendeplatz bedingt, konzipiert wurde.
Der mitproduzierende Bayerische Rundfunk (BR) stieg zunächst nach 20 Jahren aus, übernahm aber ein halbes Jahr später auf Grund von Zuschauerprotesten bis Ende 2003 eine Kurzfassung von 30 Minuten. Andere ARD-Sender wie der NDR, HR, SDR/SWF, RBB, SFB, gelegentlich auch der MDR und 3 SAT strahlten ebenfalls regelmäßig die aktuellen Fassungen, häufig aber auch Wiederholungen, aus.
Das alles täuscht nicht darüber hinweg, das P. ab 1972 zu einem der erfolgreichsten deut-schen Buchautoren aufgestiegen ist. Die von ihm geschriebenen oder herausgegebenen rund 80 Bücher erreichten eine Gesamtauflage von über sechs Millionen Exemplaren. Dazu gehörten einerseits wissenschaftlich-technische Bücher, häufig mit Umweltbezug (z.B. über Asbest und Kunststoffproblematik), andererseits viele Bücher der "Hobbythek-Reihe" mit Anleitungen zum Selbermachen rund um die persönliche Sphäre von Haus und Garten, Gesund-heit, Schlemmereien ohne Reue bis hin zum Fruchtsirup ohne Zucker, Sprudelautomat, Wäsche waschen mit weißer Wäsche und Reinigen mit Natursubstanzen (z.B. Orangenöl), usw.
Aber die Hobbythek war nicht das einzige Tätigkeitsfeld. Er schuf das damals neue Format der "Wissenschaftsshow". Nach 6 Jahren übergab er diese seinem von ihm ausgewählten Nachfolger Ranga Yogeshwar, der dann daraus die erfolgreiche Wissenschaftssendung "Quarks & Co" entwickelte. 1989 übernahm Pütz auch als Autor und Moderator die berühmte ARD-Sendereihe "Bilder der Wissenschaft", die 1994 in die ARD-Forschungs- und Umweltreihe "Globus" integriert wurde. Er war davon mit den anderen Kollegen der beteilig-ten ARD-Sendeanstalten auch verantwortlicher Redakteur. Ab 1997 entwickelte Pütz zusammen mit der Redakteurin Gabriele Conze im WDR-Fernsehen ein neues Format eines Umweltmagazins mit Namen "Dschungel - leben und leben lassen", das er moderierte und zu großem Erfolg verhalf.
Im Oktober 2001 wurde Pütz 65 Jahre alt und musste daher offiziell pensioniert werden. Aber der umtriebige Pütz entwickelte daraus einen "aktiven" Ruhestand. Er war weiterhin als Moderator und Autor in freier Mitarbeiterschaft für die "Hobbythek" und "Dschungel" tätig. Ende 2003 lief Dschungel aus. Im Jahre 2004 hat er sich entschlossen, sich langsam auch aus der Hobbythek zurück zu ziehen und Ende des Jahres definitiv die den WDR zu verlassen. Das heißt aber nicht, wie er ausdrücklich betont, dass er sich völlig vom Bildschirm zurückzieht, sondern schon jetzt ist er häufig Gast als Fachmann in diversen Sendungen, von der Talkshow bis zu Serviceprogrammen.
Auch ehrenamtlichen Tätigkeiten gegenüber war Pütz als Überzeugungstäter stets aufgeschlossen. Für das Goethe-Institut realisierte Pütz 1982 in Brasilien und Chile journalistische Seminare zur Konzeption und Durchführung von Wissenschaftssendungen im Fernsehen mit starkem Praxisbezug. Sein großes Engagement für den seriösen und glaubwürdigen Wissenschaftsjournalismus zeigt sich auch darin, dass er 1985 Mitinitiator der Wissenschaftspressekonferenz (wpk.org) in Bonn und Berlin war, und von 1990 bis 2003 das Amt des ersten Vorsitzenden ausübte. Während dieser Zeit wurde die WPK zu einer anerkannten und geachteten Institution in der Welt der Wissenschaft und Politik. Er verschrieb sich auch engagiert der Idee des fairen Handels, die in die Organisation "Transfair" mündete und zu einer der erfolgreichsten Initiativen (Hilfe zur Selbsthilfe) zur Minderung der Probleme der kleinen Leute in der 3. Welt (besser 1. Welt) wurde. Er machte dazu nicht nur Filme mit eigener Kamera, sondern tritt auch immer noch bei vielen Veranstaltungen in Deutschland auf.
Auszeichnungen
Pütz erhielt neben zahlreichen Wissenschaftsjournalismus-Preisen auch den von Graf und Gräfin Bernadotte überreichten Horst Köhler Gedächtnispreis der Deutschen Gartenbaugesellschaft für besondere Verdienste, und ebenso einen Weinförderpreis wegen objektiver und wissenschaftlicher Information zum Thema Wein.
2002 wurde er von Umweltministerin Renate Künast und der Bayerischen Staatsregierung gemeinsam mit Reinhold Messmer und Meta Barfuss zum "Botschafter der Berge" ernannt.
Kurz zuvor ist Pütz auch von der "Nordrhein-Westfalen-Stiftung für Umwelt und Denkmalschutz" zum Paten von zwei einzigartigen Biotopen in der Eifel, den Narzissentälern im Hohen Venn, berufen worden.
Er ist Batelle-Preisträger für Wissenschaftsjournalismus (1978), erhielt 1996 den Preis der Gesellschaft der Deutschen Chemiker für hervorragenden Wissenschaftsjournalismus und 1998 den Preis der AOK Rheinland für Journalisten und Schriftsteller (zusammen mit seiner Coautorin Monika Kirschner). 2000 wurde ihm die goldene Schlemmerente Wassenberg zuerkannt (Eine Goldschmiedearbeit aus 72g purem Gold, 6g Platin und einem ¼ Karat Diamanten ). Damit sollten seine Verdienste um gesunde und trotzdem schmackhafte Ernährung gewürdigt werden.
Pütz lebt vorwiegend in Köln, ist Vater von zwei Kindern, der jüngste Sohn Jean Adrian wurde 1999 geboren (mit seiner heutigen Frau Pina Coluccia), einer Italienerin aus der Provinz Lecce in Apulien. Der älteste Sohn Jörn, 1959 geboren, lebt in Frankreich und ist an der Universität Straßbourg Professor für Biochemie und gleichzeitig am berühmten CNRS als Forscher tätig. Dieser hat ihn auch zum Großvater (Enkel Joel) gemacht. Jean Adrian und Joel sind fast gleichaltrig. Pütz ist stolz darauf so fitt zu sein, dass er einen Bereich von drei Generationen abdecken konnte, er führt es u.a. darauf zurück, dass er von den Rezepten und Tipps der "Hobbythek" enorm profitiert hat, weil er sie konsequent umgesetzt hätte.
Weil die Familie im Juli 1943 – zu "Peter und Paul" - gemeinsam von Köln aus in die Sommerferien reisen wollte, geriet er durch Zufall mit seinen Eltern in einen der schlimmsten Bombenangriffe, die auf Deutschland geführt wurden. Von 60 Menschen im Kellersystem der Bauerei überlebten nur 5 darunter die 3 köpfige Familie, und zwar, weil sie sich zu zwei, von den Nazis verfolgten Personen, begaben, die der Vater in einem hermetisch abgeschlossenen Kellerverlies versteckt hatte. Dorthinein konnten sich die durch Brandbomben freigesetzten Phosphordämpfe nicht ausbreiten, während die Lungen der anderen Menschen elend zerfressen wurden.
Das Kriegsende erlebte Pütz in Luxemburg. Dort besuchte er auch im Moselstädtchen Remich die Primair und Oberprimairschule (Grund und Hauptschule). Danach machte er von 1952-1955 eine dreijährige Lehre an der "Ecole des arts et métiers" du Luxembourg mit dem Abschluss Elektromechaniker. Es folgte eine einjährige Tätigkeit als Betriebselektriker im Luxemburger Eisenhüttenwerk (Arbed-Belval, Esch sur Alzette). Ende 1955 absolvierte er mit Erfolg eine Aufnahmeprüfung für Sonderbegabte an der Staatlichen Nikolaus Otto Ingenieurschule in Köln und bekam somit die Chance dort von 1956-1959 das Ingenieur Studium mit Abschluss "Diplomingenieur der Nachrichtentechnik" zu vollenden. Von 1959-1960 folgte eine einjährige Ausübung des Ingenieurberufs im Entwicklungslabor für elektronische Schaltgeräte in Bonn (Kloeckner-Moeller - heute Moeller).
Die Durchlässigkeit der Schulsysteme war damals sehr gering, und so musste er um seinem Wunsch eines Universitätsstudium nachzukommen, eine Abiturprüfung für Externe zum Weiterstudium an Universitäten absolvieren. Sein Studium finanzierte er einerseits mit dem staatlichen Förderprogramm "Honnefer Modell" und andererseits mit Nebentätigkeiten, die an seine vorausgegangen Qualifikationen anknüpften. Von 1960-1964 studierte er Physik- und Mathematik für das Lehramt der Sekundarstufe II an der Universität Köln - Nebenfach Chemie.
Während seiner Studentenzeit war Pütz Vorsitzender des ISSF - dem Internationalen Studentenbund für übernationale Förderation. In dieser Eigenschaft wurde er auch Vorsitzender des Ringes der Politischen Hochschulgruppen (Dachorganisation). Er galt als Aufklärer und Rebell, u.a. als Mitbegründer des damaligen "Republikanischen Clubs", der vehement in den 60 er Jahren gegen die ersten Notstandsgesetzentwürfe antrat. Später, als weltfremde linke Ideologien das Handeln des Klubs bestimmten, trat er unter Protest aus.
1964 bestand er das 1. Staatsexamen. Es folgte von 1964-1966 eine zweijährige Referendarzeit.
Sein eigentlicher Berufswunsch war aber immer schon Journalist zu werden. Deshalb studierte er nicht nur im anfänglichen "Studium Generale" sondern auch später parallel zu seiner Referendarzeit Soziologie- und Volkswirtschaft mit Schwerpunkt empirische Mediensoziologie bei Prof. René König, Prof. Alphons Silbermann und Prof. Erwin Scheuch. Während dieser Zeit war er schon häufig als freier Journalist tätig. Ab 1970 fand er eine feste Anstellung beim Westdeutschen Rundfunk (WDR). Der damalige Intendant war: Klaus von Bismark, der Direktor: Werner Höfer und der Hauptabteilungsleiter Kultur: Friedrich Wilhelm Reuker. Dort bekam er die Chance die Redaktion Naturwissenschaft und Technik im kurz vorher gegründeten 3. Programm aufzubauen. Er war Redakteur, Autor, Moderator und schließlich auch Produzent. Gleich seine erste Serie bestehend aus 13 Folgen mit dem Titel "Energie, die treibende Kraft" (in der er komplizierte Physik anschaulich machte und vieles von dem vorweg nahm, was später in den Energiekrisen offenbar wurde, - bis hin zur Problematik der Kernenergie), dokumentierte anschaulich seine Intentionen, nicht nur Wissenschaft und Technik zu vermitteln, sondern auch ihre Nebenwirkungen und Risiken. Allerdings ohne sie zu verteufeln, im Gegenteil, "nur mit ihren Mittel könnten die katastrophalen Folgen für Umwelt und Natur abgemildert werden".
Es folgten Sendereihen wie:
- 11 Folgen "Einführungen in die Elektronik",
- 13 Folgen "Einführung in die Digitaltechnik",
- 6 Folgen "Die Welt des Schalls",
- 7 Folgen "Die Welt des Fernsehens"
Aus seiner Idee für eine Elektronik-Bastelsendung entwickelte er schließlich die WDR-Sendeform "Hobbythek", die 1974 erstmals ausgestrahlt wurde. Die von Pütz konzipierte und moderierte Sendung für Hobbyfreunde, Tüftler und Wissbegierige, präsentierte sich mit einem neuen Ansatz telegener Wissensvermittlung, und zwar über Jahrzehnte hinweg. Sie blieb ein Publikumshit mit Einschaltquoten bis zu 15 Prozent. Von Kollegen bisweilen belächelt, demonstrierte Pütz, der sich selbst als rheinische Frohnatur und notorischen Optimisten charakterisiert, u. a. wie man Käse macht, Bier braut oder Kosmetik, Wasch- und Reinigungsmittel usw. selber herstellt. Dabei gelang ihm der Spagat zwischen seriöser Information und lockerer Präsentation. Pro Sendung forderten bis zu 150.000 interessierte Zuschauer die kostenlosen Hobbytips (schriftliche Rezepte zum Nachmachen) an. Dazu entstanden in Deutschland fast 300 bis 400 Geschäfte, die bereit waren, die Zutaten für die Rezepte anzubieten. Dabei galt als Ehrenkodex, dass weder Pütz noch seine Autoren und ebenso wie der WDR niemals am Verkaufserlös beteiligt waren. Die Sendereihe wurde im WDR in der Erstfassung stets zur Primetime ausgestrahlt und dauerte jeweils 45 Minuten mit Ausnahme von zwei Jahren, in denen sie auf 30 Minuten, Sendeplatz bedingt, konzipiert wurde.
Der mitproduzierende Bayerische Rundfunk (BR) stieg zunächst nach 20 Jahren aus, übernahm aber ein halbes Jahr später auf Grund von Zuschauerprotesten bis Ende 2003 eine Kurzfassung von 30 Minuten. Andere ARD-Sender wie der NDR, HR, SDR/SWF, RBB, SFB, gelegentlich auch der MDR und 3 SAT strahlten ebenfalls regelmäßig die aktuellen Fassungen, häufig aber auch Wiederholungen, aus.
Das alles täuscht nicht darüber hinweg, das P. ab 1972 zu einem der erfolgreichsten deut-schen Buchautoren aufgestiegen ist. Die von ihm geschriebenen oder herausgegebenen rund 80 Bücher erreichten eine Gesamtauflage von über sechs Millionen Exemplaren. Dazu gehörten einerseits wissenschaftlich-technische Bücher, häufig mit Umweltbezug (z.B. über Asbest und Kunststoffproblematik), andererseits viele Bücher der "Hobbythek-Reihe" mit Anleitungen zum Selbermachen rund um die persönliche Sphäre von Haus und Garten, Gesund-heit, Schlemmereien ohne Reue bis hin zum Fruchtsirup ohne Zucker, Sprudelautomat, Wäsche waschen mit weißer Wäsche und Reinigen mit Natursubstanzen (z.B. Orangenöl), usw.
Aber die Hobbythek war nicht das einzige Tätigkeitsfeld. Er schuf das damals neue Format der "Wissenschaftsshow". Nach 6 Jahren übergab er diese seinem von ihm ausgewählten Nachfolger Ranga Yogeshwar, der dann daraus die erfolgreiche Wissenschaftssendung "Quarks & Co" entwickelte. 1989 übernahm Pütz auch als Autor und Moderator die berühmte ARD-Sendereihe "Bilder der Wissenschaft", die 1994 in die ARD-Forschungs- und Umweltreihe "Globus" integriert wurde. Er war davon mit den anderen Kollegen der beteilig-ten ARD-Sendeanstalten auch verantwortlicher Redakteur. Ab 1997 entwickelte Pütz zusammen mit der Redakteurin Gabriele Conze im WDR-Fernsehen ein neues Format eines Umweltmagazins mit Namen "Dschungel - leben und leben lassen", das er moderierte und zu großem Erfolg verhalf.
Im Oktober 2001 wurde Pütz 65 Jahre alt und musste daher offiziell pensioniert werden. Aber der umtriebige Pütz entwickelte daraus einen "aktiven" Ruhestand. Er war weiterhin als Moderator und Autor in freier Mitarbeiterschaft für die "Hobbythek" und "Dschungel" tätig. Ende 2003 lief Dschungel aus. Im Jahre 2004 hat er sich entschlossen, sich langsam auch aus der Hobbythek zurück zu ziehen und Ende des Jahres definitiv die den WDR zu verlassen. Das heißt aber nicht, wie er ausdrücklich betont, dass er sich völlig vom Bildschirm zurückzieht, sondern schon jetzt ist er häufig Gast als Fachmann in diversen Sendungen, von der Talkshow bis zu Serviceprogrammen.
Auch ehrenamtlichen Tätigkeiten gegenüber war Pütz als Überzeugungstäter stets aufgeschlossen. Für das Goethe-Institut realisierte Pütz 1982 in Brasilien und Chile journalistische Seminare zur Konzeption und Durchführung von Wissenschaftssendungen im Fernsehen mit starkem Praxisbezug. Sein großes Engagement für den seriösen und glaubwürdigen Wissenschaftsjournalismus zeigt sich auch darin, dass er 1985 Mitinitiator der Wissenschaftspressekonferenz (wpk.org) in Bonn und Berlin war, und von 1990 bis 2003 das Amt des ersten Vorsitzenden ausübte. Während dieser Zeit wurde die WPK zu einer anerkannten und geachteten Institution in der Welt der Wissenschaft und Politik. Er verschrieb sich auch engagiert der Idee des fairen Handels, die in die Organisation "Transfair" mündete und zu einer der erfolgreichsten Initiativen (Hilfe zur Selbsthilfe) zur Minderung der Probleme der kleinen Leute in der 3. Welt (besser 1. Welt) wurde. Er machte dazu nicht nur Filme mit eigener Kamera, sondern tritt auch immer noch bei vielen Veranstaltungen in Deutschland auf.
Auszeichnungen
Pütz erhielt neben zahlreichen Wissenschaftsjournalismus-Preisen auch den von Graf und Gräfin Bernadotte überreichten Horst Köhler Gedächtnispreis der Deutschen Gartenbaugesellschaft für besondere Verdienste, und ebenso einen Weinförderpreis wegen objektiver und wissenschaftlicher Information zum Thema Wein.
2002 wurde er von Umweltministerin Renate Künast und der Bayerischen Staatsregierung gemeinsam mit Reinhold Messmer und Meta Barfuss zum "Botschafter der Berge" ernannt.
Kurz zuvor ist Pütz auch von der "Nordrhein-Westfalen-Stiftung für Umwelt und Denkmalschutz" zum Paten von zwei einzigartigen Biotopen in der Eifel, den Narzissentälern im Hohen Venn, berufen worden.
Er ist Batelle-Preisträger für Wissenschaftsjournalismus (1978), erhielt 1996 den Preis der Gesellschaft der Deutschen Chemiker für hervorragenden Wissenschaftsjournalismus und 1998 den Preis der AOK Rheinland für Journalisten und Schriftsteller (zusammen mit seiner Coautorin Monika Kirschner). 2000 wurde ihm die goldene Schlemmerente Wassenberg zuerkannt (Eine Goldschmiedearbeit aus 72g purem Gold, 6g Platin und einem ¼ Karat Diamanten ). Damit sollten seine Verdienste um gesunde und trotzdem schmackhafte Ernährung gewürdigt werden.
Pütz lebt vorwiegend in Köln, ist Vater von zwei Kindern, der jüngste Sohn Jean Adrian wurde 1999 geboren (mit seiner heutigen Frau Pina Coluccia), einer Italienerin aus der Provinz Lecce in Apulien. Der älteste Sohn Jörn, 1959 geboren, lebt in Frankreich und ist an der Universität Straßbourg Professor für Biochemie und gleichzeitig am berühmten CNRS als Forscher tätig. Dieser hat ihn auch zum Großvater (Enkel Joel) gemacht. Jean Adrian und Joel sind fast gleichaltrig. Pütz ist stolz darauf so fitt zu sein, dass er einen Bereich von drei Generationen abdecken konnte, er führt es u.a. darauf zurück, dass er von den Rezepten und Tipps der "Hobbythek" enorm profitiert hat, weil er sie konsequent umgesetzt hätte.















