Wissenschaft

Klassische Medizin

25.07.2005

Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom weit verbreitet

Keine "Modekrankheit"

Wien (pts/23.06.2005/09:00) - Was ist ADHS und was hat es mit aktiven Kindern zu tun?
ADHS bzw. das hyperkinetische Syndrom (HKS) ist eine anhaltende, schwere Verhaltensstörung, die im diagnostischen und statistischen Handbuch der psychischen Störungen des American Psychiatric Associations, 4th Ed. (DSM-IV) bzw. in der internationalen Klassifizierung der Krankheiten der Weltgesundheitsorganisation (ICD-10) definiert wird. Sie betrifft weltweit sowohl ca. 5% der Kinder als auch zwischen 30 und 70% der Erwachsenen, die als Kinder davon beeinträchtigt waren. ExpertInnen gehen davon aus, dass es heutzutage nicht mehr ADHS-Kinder als früher gibt - nur fallen sie in der gegenwärtigen Umwelt- und Schulsituationen mehr auf. ADHS bzw. das HKS äußert sich bereits vor dem vollendeten 6./7. (lt. ICD 10) Lebensjahr. Die Hauptmerkmale sind in mindestens 2 Situationen beobachtbar, z.B. zuhause und in der Schule. Es handelt sich um keine sogenannte "Modekrankheit". ADHS bzw. das HKS wird in der medizinischen und sonstigen Literatur (unter verschiedenen Namen) schon seit dem 19. Jahrhundert beschrieben. Bekannt ist der "Struwwelpeter" von Dr. Hoffmann in Deutschland. Hoffmann dürfte - wie viele andere begabte Menschen, z. B. Hermann Hesse, Mozart oder Leonardo da Vinci - möglicherweise selbst davon betroffen gewesen sein.

ADHS wird durch folgenden Verhaltensweisen gekennzeichnet:

·    ein hohes Niveau an Aktivität und Impulsivität (mit extremen Emotionen)
oder
·    diese 2 Symptome plus inkonsistente (zu viel od. zu wenig) Aufmerksamkeit
oder
·    lediglich inkonsistente Aufmerksamkeit.

Was für Auswirkungen kann ADHS haben und wo kommt es her?
Eine undiagnostizierte und unbehandelte ADHS beeinträchtigt meist nicht nur das Familien-, Kindergarten- und Schulleben, die Ausbildungs- bzw. Berufchancen sowie die sozialen Beziehungen sondern auch die persönliche Zufriedenheit. Die Symptomatik einer nicht erkannten ADHS kann in schlimmen Fällen zu Drogen- und Alkoholsucht, Risikoverhalten u.a. im Straßenverkehr, Arbeitslosigkeit, Scheidung, schweren Stimmungsstörungen (z.B. Depressionen und Angststörungen) und sogar kriminellem Verhalten führen. Aus Zwillings- und Adoptionsstudien ist bekannt, dass das Risiko ADHS zu bekommen, zu etwa 80% genetisch bedingt ist. Kopfverletzungen, Alkohol, Nikotin und Drogen in der Schwangerschaft können ebenfalls zu einem ADHS-Verhalten führen.

Gibt es einen Test für ADHS?
In einigen Medien sowie in der Populärliteratur ist mitunter zu vernehmen, dass ADHS ein umstrittenes Thema sei, mit jahraus jahrein stattfindenden Auseinandersetzungen bezüglich dessen Existenz, Diagnose und Therapie. Die Europäische Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (ECAP) stellt jedoch fest, dass die Verhaltensweisen, woraus eindeutig auf ADHS geschlossen werden kann, keine willkürliche Ansammlung von Symptomen sind. Was die diagnostischen Methoden betrifft, weist die ECAP darauf hin, dass es bisher bei keiner psychischen Störung einen biologischen oder psychologischen Test gibt, der für die Erstellung einer exakten Diagnose geeignet ist. Die ECAP nimmt an, dass lediglich bei einer Minderheit von Kindern mit ADHS dieses Symptom auch erkannt und behandelt wird. Ferner dürfte auch eine gewisse Anzahl von Kindern, die gar kein ADHS haben, mit Medikamenten behandelt werden. Diese Situationen sind selbstverständlich unbefriedigend.

Wie behandelt man ADHS?
Die multimodale Therapie - bestehend sowohl aus handlungsorientierten Lösungen zuhause und in der Schule als auch ggf. einer von der ECAP abgesegneten medikamentösen Behandlung - wird in der medizinischen Literatur als durchaus erfolgreich bezeichnet. Ein spezifisches ADHS- orientiertes Elterntraining und eine kognitive Verhaltensintervention in der Schule bzw. auf Sommerlagern etc. haben sich für ADHS- Kinder als äußerst wirksam erwiesen. Die Medikation stellt Kinder nicht "ruhig", wie oft behauptet wird, sondern ermöglicht häufig erst den Beginn andere wesentliche Therapien und wirkt darüber hinaus prophylaktisch gegen Sucht.
Ergänzend können auch Ergotherapie, Logopädie, Neurofeedbacktherapie, soziales Kompetenztraining und Behandlung der meist vorhandenen Begleitstörungen (z.B. Teilleistungsschwächen, oppositionelles Verhalten, Depressionen, Angst) zur Anwendung kommen.
Die von verschiedenen (z.T. unqualifizierten) Personen empfohlenen Behandlungsmethoden, wie z.B. die Familienaufstellung, Kinesiologie, Homöopathie, Festhalte-, Kraniosakrale- und Hörtherapie, die Behandlung mit AFA-Algen oder Bachblüten, phosphatfreie, salicylatfreie od. zuckerreduzierte Diäten aber auch die Psychoanalyse zählen nicht zu den wissenschaftlich anerkannten ADHS-Therapien.

Information:

Verein ADAPT
Wien
Tel. 0676/5165687
verein_adapt@yahoo.com
http://www.adapt.at         

Verein f. hyperaktive Kinder
Linz, OÖ
Tel. 0676/4744532
office@hyperaktivekinder.at
http://www.hyperaktivekinder.at

SHG AD(H)S-Kinder Pinzgau
Zell am See, Sbg
Tel. 0650/4571361
dany.klaus@sbg.at
http://www.salzburg.at/miniweb/adhskinderpinzgau/

Beratungsstelle f. Kinder mit hyperaktiven Störungen
Wolkersdorf, NÖ
Tel. 02245/6870
beratung.wodo@asn.netway.at
http://www.schulfragen.at