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18.01.2019

Emotionen lenken Kommunikationsverhalten

Meine persönliche Bemerkung:

Noch nie in der Geschichte der Menschheit konnte der Einzelne, das Individuum, über so viele Nachrichtenquellen verfügen wie heutzutage. Auf den ersten Blick müsste das der Idee der Demokratie Vorschub leisten. Leider ist das Gegenteil der Fall. Dem steht die von mir als sozial-psychologische Gesetzmäßigkeit formulierte ‚selektive Wahrnehmung‘ entgegen. In der Praxis bedeutet dass, das Menschen vorwiegend die Nachrichten aufnehmen und verarbeiten, die in ihnen bekannte Strukturen passen. Darunter befinden sich – insbesondere bei vorwiegend emotional reagierenden Bürgern, eine große Zahl von Vorurteilen. Diese werden sehr oft durch Wunschdenken gespeist. Viele Gefühle rühren aber auch, sozusagen instinktiv verankert, aus Zeiten, in denen der Homo sapiens im Sinne von Charles Darwin entstand. Damals waren diese Gefühle lebensnotwendig und lebenserhaltend und brachten dem Träger enorme Vorteile, so dass er sich besser vermehren konnte als andere. Das ist der Grund, dass  sich auch in unseren Genen wiederspiegeln und zu Instinkten wurden. Dazu gehören u. v. a. Fremdenfeindlichkeit, vorschießender Selbstbehauptungswillen, Hass, Neid und das Verhalten von Gemeinschaften, sich – koste es was es wolle – zusammenzuschließen, wenn eine äußere Bedrohung entsteht.  Solche Instinkte sind in der heutigen Zeit, wo der Verstand des Menschen immer mehr durch Bildung und Erfahrung obsiegte, kontraproduktiv. Genau diese in uns verankerten Gefühle und Instinkte nutzen Populisten als Köder, um wie der Rattenfänger von Hameln Menschen hinter sich zu scharen.

Das zweite Phänomen, das ich nennen möchte, bedroht genauso auf den Verstand notwendigen demokratischen Strukturen. Es ist der sogenannte Tunnelblick, der verhindert, dass andere für die Gesamtbeurteilung der Situation notwendige Fakten unterdrückt werden. So ist nur zu erklären, dass der Einzelne so leicht auf emotionalisierende Fake News herein fällt. Das machen sich die Extremisten, vom Faschismus bis zum Kommunismus, von aller Arten von Mafiosi bis hin zu religiösen Sektierern geschickt zunutze, das soweit führt, dass selektive Selbstmorde möglich werden. Um eine Gesellschaft zu kontrollieren reicht es aus, etwa bis 2 % der Bevölkerung, die zum Terror bereit ist, ganze politische Systeme zu unterwandern. Dem könnte nur gegengesteuert werden, wenn auf die  Zivilcourage  des einzelnen Bürgers weiter entwickelt wäre. Das ist aber nur äußerst selten verbreitet, wie die historische Erfahrung lehrt. So konnten in der Vergangenheit unter dem Motto: bist Du nicht für mich, dann bist du gegen mich, ganze Gesellschaft manipuliert werden. Große Königreiche, Fürstentümer zusammengehalten und moderne faschistische und kommunistische Terrorregime entstehen.

Die Idee der Demokratie sollte dem Einhalt gebieten und hat es zumindest zeitweise erreicht wie z. B. in der Bundesrepublik Deutschland und anderen Staaten, was bei uns immerhin 70 Jahre Frieden brachte.

Neuerdings machen sich jedoch Autokraten wie z. B. in der Türkei Erdogan, in den USA á la Trump, in Brasilien mit Bolsonaro, auf den Philippinen mit Duterte, in vielen postsowjetische Staaten, und viele andere, die unter dem Signum der Demokratie diese Urinstinkte zunutze. Bei uns sind es die populistischen Parteien, die den Bürgern einfache Lösungen vorgaukeln und versprechen, die Sterne vom Himmel zu holen.

Dies alles ist der Grund, weil leider die sozialen Medien der Demokratie wider alle Erwartung keinen Vorteil leistet, sondern unsere Demokratie auf lange Sicht gefährden. Das z. B. so etwas wie der Brexit entstehen konnte und ein britisches Parlament zu Statisten des Populismus degradierten oder ein Präsident Trump ohne Scharm die Erkenntnisse der Wissenschaft was die Erderwärmung anbelangt, völlig negieren konnte.

Aber Demokratie ist auf Vernunft angewiesen, die eben nur in Grenzen manipuliert werden kann. Sie funktioniert nur, wenn ‚vernunftbegabte aller Länder sich vereinigen‘ . Ganz nach Marx, der das seinerzeit aber auf die Proletarier bezog, die nicht mehr existieren müssen.

Das Emotionen ganz entscheidend an der Willensbildung beteiligt sind, beweist auch die nachfolgende wissenschaftlich Untersuchung:


pte20190115022 Computer/Telekommunikation, Medien/Kommunikation

Emotionen lenken Kommunikationsverhalten

Neutrale Nachrichten werden laut Forschern der WU Wien deutlich seltener weiterverbreitet


Social Media: Emotionale News häufiger verbreitet (Foto: pixabay.com, geralt)
Social Media: Emotionale News häufiger verbreitet (Foto: pixabay.com, geralt)

Wien (pte022/15.01.2019/13:30) - Emotionale Nachrichten werden signifikant häufiger weiterverbreitet als neutrale News. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Wirtschaftsuniversität Wien (WU Wien) http://wu.ac.at in ihren aktuellen Studien. "Dies wurde zum Beispiel auch bei der Detailauswertung zu den Ausschreitungen beim G20-Gipfel 2017 deutlich", so WU-Wien-Wissenschaftler Mark Strembeck.

"Undoing Hypothesis" bestätigt

Im Zuge der Analysen wurde im großen Maßstab die Existenz sogenannte "Undoing Hypothesis" in sozialen Medien nachgewiesen. "Dies bedeutet, dass auch in Bezug auf negative Ereignisse eine erstaunlich große Zahl an positiven Nachrichten versendet wird. Die 'Undoing Hypothesis' stammt aus dem Bereich der psychologischen Forschung und besagt, dass bei negativen Ereignissen dennoch in signifikantem Ausmaß positive Emotionen auftreten."

Laut Studienautor Strembeck ist der Grund hierfür vor allem der Versuch, positive Emotionen gewissermaßen als "Gegenmittel" gegen negative Emotionen einzusetzen. Aber auch der Einfluss von Social Bots wächst. Insbesondere bei polarisierenden Ereignissen, wie zum Beispiel Wahlen, versuchen sie die Diskussion mithilfe emotionaler Botschaften gezielt zu beeinflussen. Dem Experten nach hat sich zudem gezeigt, dass menschliche User generell eher der Grundstimmung einer Diskussion folgen, während Social Bots versuchen, die Stimmung durch entgegengesetzte Emotionen, sogenannten "Shifted Emotions" zu drehen.

Programmierschnittstellen genutzt

Im Rahmen des Projekts wurden mithilfe der öffentlichen Programmierschnittstellen, die von Facebook, Twitter und YouTube zur Verfügung gestellt werden, systematisch verschiedene Datensätze gesammelt. Die Sammlung der Daten umfasste Ereignisse, die vornehmlich als positiv wahrgenommen wurden (wie Feiertage oder Geburtstag eines Prominenten), als auch solche, die mehrheitlich als negativ wahrgenommen wurden (wie Terroranschläge oder Kriegshandlungen) und solche, die polarisierend wirken (wie Wahlen).